Social Media für Ärzte – Ideen, Ziele und Beschränkungen
von Tom Rosenkranz (Kommentare: 0)
Einen direkten Draht zum Kunden (oder Patienten) sowie Dialog und Vertrauen, die Grundlagen des Social Web sind den Anforderungen an einen Arzt doch sehr ähnlich. Wo der Mediziner das Vertrauen seiner Patienten im direkten Kontakt erlangt, muss es eine Online-Community durch ein langfristiges Engagement erarbeiten. Wieso also nicht beides verbinden und so eine neue Zielgruppe erschließen und bestehende Kontakte festigen?
Im Social-Marketing gibt es für Ärzte jedoch einige Einschränkungen, welche sich nach den Vorgaben der Ärztekammern und des Telemediengesetz richten. Die meisten Richtlinien für das Online-Marketing können weitestgehend auch auf das Marketing im Social Web übertragen werden. Dabei sind grundlegend folgende Punkte zu beachten: Die Aussagen des Kanals müssen sachlich sein und sich auf die ärztliche Leistung beziehen. Wundermittel zu versprechen ist also weder seriös noch erlaubt. Weiterhin sind Angaben zur Lage, Öffnungszeiten, Parkmöglichkeit, Telefonnummer, Mailadresse und Faxnummer auch aus Marketingsicht immer anzugeben. Die Berufsbezeichnung sowie der Staat in dem sie erworben wurde, die Haftpflichtversicherung und die Zuständige Aufsichtsbehörde müssen auch genannt werden.
Auf Facebook können die meisten Angaben zum Beispiel in einem Kontakt- Tab untergebracht werden. Jedoch sollte auch die Impressumspflicht nicht vernachlässigt werden. Nach einem Urteil des Landgerichts in Aschaffenburg reicht es nämlich nicht aus einen Link zum Impressum der eigenen Homepage zu setzen. Auch ein Impressum im "Info" Bereich ist nach dem Urteil nicht gültig. Es bleiben also nur folgende zwei Alternativen: Ein extra Impressum auf der eigenen Homepage, welches direkt im linken Bereich auf der Facebookseite im "Info-Feld" verlinkt ist oder ein Tab mit der Bezeichnung „Impressum“ oder „Kontakt“, um alle benötigten Angaben dort unterzubringen.
Nachdem die rechtlichen Bedenken vorerst abgehakt sind, kann es an den inhaltlichen Teil und damit die Ideen für einen gelungenen Social Media Auftritt gehen. Interessante Kanäle sind hierbei vor allem Facebook, Twitter und vielleicht auch YouTube.
Natürlich sind je nach Berufsfeld die Themen teilweise sensibel und direkt über Patienten zu schreiben ist oft sowieso nicht erlaubt. Was jedoch zum Beispiel auf Twitter sehr gut funktionieren kann, sind kleine Anekdoten, Fakten und Erfahrungen aus dem Arzt-Alltag. Wessen Arzt ist schon so affin in den Sozialen Medien unterwegs und twittert regelmäßig? Abschreckend hingegen wirken immer neue Werbebotschaften. Ein neues Produkt hier, eine neue Anti-Aging Creme da, das sind durchaus Themen, aber sie dürfen nie zum Hauptfokus eines Kanals werden. Die berufliche Spezialisierung sollte immer die Grundlage für die inhaltliche Ausrichtung sein. So können sich Themen, Ansprache der Fans und Inhalte schon sehr unterscheiden. Wie gehe Ich mit meinen Patienten um? Vertragen sie es geduzt zu werden oder ist ein förmlicheres "Sie" angemessen? Möchte ich Produkte präsentieren, Patienten binden oder lieber jüngere Menschen auf meine Praxis aufmerksam machen?
Die Themen können von Entwicklungen im Medizinbereich (Auch mit externen Quellen), über Tipps zur richtigen Hautpflege, bis zur Vorstellung von alternativen Heilmethoden reichen. Je nach Spezialisierung ist eine individuelle und vorher definierte Rolle wichtig. Durch eine klare Linie weiß der Fan welche Informationen oder Unterhaltung er auf einer Seite erwarten kann und ob diese für ihn relevant sind.
Auch eine direkte Social Commerce Lösung kann in bestimmten Fällen eine gute Methode sein, um Umsätze zu steigern. Für einen Arzt welcher sich auf medizinische Kosmetikprodukte spezialisiert hat, bietet sich zum Beispiel eine Facebook-App an in welcher Produkte vorgestellt werden. Auch die Umsetzung eines eigenen Shops ist auf Facebook möglich.
Gewinnspiele mit attraktiven Preisen sind ein Garant für Aufmerksamkeit und eine steigende Fanzahl im Social Web. Für Ärzte sind diese jedoch nur unter bestimmten Auflagen durchführbar. So klagte 2005 die Zahnärztekammer Schleswig-Holstein gegen ein Gewinnspiel auf einer Postkarte, bei dem weiterführende Informationen nur auf einer Webseite zu finden waren. Die Aktion sei "eine anpreisende, irreführende, herabsetzende oder vergleichende Werbung" und damit wettbewerbswidrig. Im Jahr 2009 entschied der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs jedoch, dass diese Werbung durchaus erlaubt sei. Zumindest für Zahnärzte bedeutet das, dass Werbung in Form von Gewinnspielen grundsätzlich legal ist. Unter dieser Betrachtungsweise wären theoretisch auch solche Kampagnen für andere Ärzte umsetzbar. In der Praxis sollte vor einem Gewinnspiel jedoch ein Anwalt konsultiert werden, um die Rechtmäßigkeit zu prüfen.
Unter Einhaltung der Vorgaben sind Facebook-Ads eine weitere gute Methode, um den eigenen Kanal zu bewerben. Die kleinen Anzeigen auf der rechten Seite können direkt für verschiedene Zielgruppen erstellt werden und erreichen damit potenzielle Fans. Diese vergleichsweise günstige Werbeform kann die eigene Community schnell wachsen lassen.
Mit einem grundlegenden Konzept und dem Wissen über die rechtlichen Bestimmungen steht dem Start ins Social Web eigentlich nichts entgegen. Das Image entstauben, neue Zielgruppen erschließen, eine bessere Findbarkeit in Google erreichen sowie einen persönlichen Kontakt zum Kunden aufbauen sind sicher genügend Anreize, um einen Versuch zu wagen.
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Facebook verkauft Daten – Vier Vorurteile über Social Media die so nicht ganz stimmen
von Tom Rosenkranz (Kommentare: 0)
Kürzlich las ich einen sehr interessanten Artikel aus 2011 über die häufigsten Vorurteile von Social Media. Da sich seitdem einiges verändert hat, habe ich mich entschieden eine aktuelle und zum Teil auch ergänzende Version zu veröffentlichen.
1. Wir wollen die neue Timeline / Chronik nicht
Falsch (Ihr wollt die, wirklich)
Facebook wird mal wieder anders. Ein neues Design, neue Nutzerwege und ein neues Bediengefühl führen zu gemischten Reaktionen. Wo in den letzten Tagen viel Drama veranstaltet wurde und ein meiner Meinung nach haltloser Hype entstand, fassen es einige Blogger bereits schlicht zusammen: Alles-nicht-so-schlimm. Facebook ändert nichts an den Datenschutzeinstellungen und eigentlich könnten die Nutzer glücklich sein, ihre Daten etwas übersichtlicher aufbereitet zu bekommen und gegebenenfalls zu löschen. Zufrieden sind sie aber nicht. Professionelle Datenschützer schreien auf und kommen damit in alle Medien. Am Ende bleibt es jedoch das gleiche Spiel wie immer: Änderungen an Gewohnheiten mag der Mensch nicht, deshalb wird er sich darüber beschweren. Jeder Internetnutzer, der bereits einmal das Design seiner Webseite grundlegend überarbeitet hat, wird das kennen. Zwei Wochen nach Einführung der Timeline hat sich die Aufregung gelegt und Millionen Nutzer laden fröhlich Bilder ihrer Kinder, Katzen und Freunde in das neue Titelbild.
2. Social Media ist ein Trend, der sowieso bald verschwindet
Falsch
Wie oft haben wir schon gelesen „Facebook wird untergehen“. Ist es bisher passiert? Nein. Erst gestern informierte uns wieder ein CDU Abgeordneter in seiner charmanten naiven Art über den bevorstehenden Untergang der Webkultur und machte sich damit zum Twittergespött. Wird Social Media denn nun untergehen? Nö, warum auch. Das ist genauso wie zu behaupten, das Internet sei nur eine Mode. Oft wird das Negativbeispiel StudiVZ erwähnt und die doch so wackelige Nutzerbasis. Das bedeutet aber jedoch nicht, dass andere Dienste nicht langfristig bestehen können. StudiVZ ging geht unter, weil es nicht mehr innovativ und lokal auf ein Land beschränkt war. Facebook ist mittlerweile ein weltumfassender Wirtschaftsfaktor mit regelmäßig innovativen Neuerungen die auf die aktuellen (zum Teil unerkannten) Bedürfnisse der Nutzer eingehen. Solange sich die Struktur des Social-Nets nicht so grundlegend ändert, dass Facebook darauf nicht eingehen kann, wird es weiterhin eine entscheidende Rolle in der Weiterentwicklung des Internets spielen.
3. Ich muss einen Social Web Auftritt haben, aber der Aufwand für mein Unternehmen ist zu groß und der Nutzen zu gering. Meine Branche ist generell für Social Media nicht geeignet.
Falsch/Richtig
Eine ungepflegte Facebookseite oder ein veralteter Blog sind Eingeständnisse, die kein Unternehmen machen sollte. Ist von vornherein klar, dass weder Personal noch Zeit zur Verfügung steht um Social Media Kanäle zu pflegen, dann sollte es lieber ganz gelassen werden. Damit wird zwar ein großer Teil an Marketingmöglichkeiten ausgelassen, das ist aber immer noch besser als eine Leiche im Web herumliegen zu haben. Längerfristig ist ein Auftritt in den Social Media Kanälen jedoch eine sinnvolle Investition. Denn wie unter Punkt 2 beschrieben ist Social Media eben nicht nur ein Trend. Eine ungeeignete Branche gibt es für Social Media nicht direkt. Selbst ein Unternehmen, welches nicht einmal eine eigene Internetseite hat und eine sehr eingegrenzte lokale Zielgruppe besitzt, kann im Grunde von Social Media Marketing profitieren. Ob Maschinenbauunternehmen, Friseur oder Familienrestaurant, die hohe lokalisierbarkeit von Marketingmaßnahmen und die gezielte Ansprache von Anwendern aus der eigenen Zielgruppe, eröffnen Chancen, die herkömmliche Werbung oder Marketing nicht bieten können.
4. Facebook verkauft Daten
Falsch (und es immer wieder zu behaupten, macht es nicht richtig.)
Facebook verkauft seine Nutzerdaten nicht. Es werden Nutzergruppen angelegt, damit diese personalisierte Werbung auf Facebook angezeigt bekommen können. Das bedeutet aber keinesfalls, dass Facebook außerhalb des eigenen Netzwerkes eure Daten an Spam-E-Mail-Firmen oder Staubsaugervertreter verkauft. Vielmehr werden Nutzer mit ähnlichen Interessen oder gleichen aktuellen Profiländerungen in Gruppen gepackt, um sie direkt mit den hauseigenen Facebook-Ads anzusprechen. Es ist also mehr diese eine diffuse Angst und das fehlende Verständnis von Facebook, die zu den meisten ablehnenden Haltungen führen. Oft wird einfach vergessen, dass Facebook ein Unternehmen ist, von Menschen gesteuert und kein Monster. Natürlich muss ein kostenloses Angebot sich finanzieren und Facebook macht dies eben durch seine eigene interne Werbeplattform. Wer die Datenverwertung von Facebook ganz genau nachvollziehen will, schaut einfach mal in diese großartige Erklärung.
Die besten Songs aus 2011 - Deine eigene Playlist erstellen
von Tom Rosenkranz (Kommentare: 0)
Vor einigen Tagen habe ich eine sehr schöne Möglichkeit gefunden, eigene Playlists aus Youtube Videos zu erstellen. Das ganze nennt sich Mixpod und gibt für viele Plattformen bereits einen fertigen Code zum Einbetten aus. Gerade jetzt zum Ende des Jahres erscheinen ja immer sehr viele Hitlisten und vielleicht hilft das Programm euch, eine eigene Liste zu erstellen.
Es ist auch ganz einfach: Ihr sucht nach einem Lied, könnt es euch anhören und zur Playlist hinzufügen. Der einzige Nachteil ist die schreckliche Youtube-GEMA-Beschränkung, sodass nicht alle Stücke verfügbar sind. Auch die Sortierfunktion ist etwas unpraktisch. Am besten klappt es, wenn ihr die Titel der Lieder anpasst und sie durchnummeriert. Über die Sortierfunktion nach Namen sind so individuelle Reihenfolgen möglich.
Meine persönliche Toplist mit den besten Songs aus 2011 könnt ihr direkt hier anhören. Demnächst folgt übrigens ein Artikel über Social Media Marketing für Plattenläden, seid also gespannt.
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Hinter den Kulissen von Social Media - Analyse und Planung
von Tom Rosenkranz (Kommentare: 0)
In den vergangenen Monaten wurde ich häufig mit der Frage konfrontiert: "Social Media? - Was machst man denn da die ganze Zeit?" Selbst technisch versierten Bekannten fehlte immer wieder das tiefere Verständnis für die Arbeit mit Social Media. Zu sagen, man arbeite im Bereich Social Media ist natürlich genauso pauschalisiert wie zu behaupten "Ich mache was im Internet". Das Schlagwort Social Media kennt jedoch jeder und es verhindert verständnislose Blicke, die man gewöhnlich bekommt, wenn Begriffe wie: "Community Management" oder "Konzeption" fallen.
Mit einigen Artikeln versuche ich daher den Knoten etwas zu lockern und eine Reihe von verschiedenen Aufgabenbereichen darzustellen, die es im Social Media Marketing gibt. Dabei schaue ich mir den generellen Entwicklungsprozess für alle Kampagnen, Aktionen und Seiten etwas genauer an: Von der Analyse und Planung bis zur Konzeption und Umsetzung über die Betreuung und langfristige Organisation.
Am Beispiel von Facebook zeigt sich, wie vielschichtig Social Media unter der wuseligen Oberfläche ist. Für den täglichen Nutzer erscheinen Facebook, Twitter und Co. als automatisierte, von Freunden und Bekannten mit Inhalten gefüllte Oberflächen. Das ist auch so gewollt. Die Einfachheit und eine kurze Einlernzeit sowie die intuitive Bedienung machen diese Dienste erst Massenkompatibel.
Schauen wir jedoch etwas tiefer ins System, finden wir Begriffe wie "iframes", "Open Graph", "API", "CPC" und viele weitere. Facebook zum Beispiel bietet ein extrem großes Spektrum an Möglichkeiten um es für Marketing, Unterhaltung und Programmierung interessant zu machen. Die offizielle Seite für Facebook-Entwickler gibt einen Einblick in die Komplexität des Facebook Marketings und der Entwicklung. Neben konkreten Programmier, Marketing und Technik-Kenntnissen ist auch ein umfassendes Wissen über die Eigenheiten und Regeln von Facebook nötig, um eine konsistente Kampagne zu entwickeln.
Doch bevor die eigentliche Entwicklung von Kampagnen, Ads und Tabs begonnen wird, muss erst einmal entschieden werden, welches Vorgehen am effektivsten für ein Projekt ist. Das ist der erste Schritt des Social Media Marketings: Analyse und Planung.
Dieser Schritt ist für den Facebooknutzer unsichtbar. Gerade in der Anfangsphase nimmt er jedoch die meiste Zeit in Anspruch. Ein Unternehmen möchte sich im Social Web positionieren und seine Chancen ausloten. Dafür ist zu Beginn unter Anderem die Beantwortung folgender Fragen notwendig:
- Was sind meine Ziele? Beispiele: Firmenimage bilden, Nutzer binden, Aufmerksamkeit erregen, Kundenzufriedenheit steigern oder langfristig den Umsatz erhöhen.
- Wer ist meine Zielgruppe?
- Wo ist meine Zielgruppe zu finden, wie erreiche ich sie?
- Welche Werkzeuge, Kanäle und Kampagnen setze ich dafür ein?
- Wie vernetze und integriere ich Social Media mit bestehenden Unternehmenskanälen online und offline (Siehe dazu auch meinen Artikel „Social Media ohne großes Marketingbudget“)
- Wie kann die interne Struktur eines Unternehmens auf die Anforderungen von Social Media vorbereitet werden?
Das sind nur einige der ersten Fragen aus dem Bereich "Analyse und Planung". Große Unternehmen setzen dabei auf hoch spezialisierte digitale Strategien, die bis ins kleinste Detail jeden Punkt definieren. Das geht so weit, dass sogar einzelne Wörter in der Kommunikation mit dem Kunden ausgeschlossen werden.
Für kleinere Unternehmen ist ein solch großer Aufwand natürlich übertrieben, aber es hilft sich über einige Grundlagen zu informieren und bereits vor dem Start des eigenen Social Media Auftritts einige Fragen zu klären. Jedes Unternehmen ist anders und so auch jede Zielgruppe, Pauschalisierungen sind deshalb nicht möglich. Eine Analyse ist im ersten Schritt immer nötig, um später den Erfolg einer Kampagne sicherzustellen.
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