Facebook verkauft Daten – Vier Vorurteile über Social Media die so nicht ganz stimmen

von Tom Rosenkranz (Kommentare: 0)

Vorurteile über Social Media versperren die Sicht auf das Wesentliche.
Foto: Sarai / flickr

Kürzlich las ich einen sehr interessanten Artikel aus 2011 über die häufigsten Vorurteile von Social Media. Da sich seitdem einiges verändert hat, habe ich mich entschieden eine aktuelle und zum Teil auch ergänzende Version zu veröffentlichen.


1. Wir wollen die neue Timeline / Chronik nicht
Falsch (Ihr wollt die, wirklich)

Facebook wird mal wieder anders. Ein neues Design, neue Nutzerwege und ein neues Bediengefühl führen zu gemischten Reaktionen. Wo in den letzten Tagen viel Drama veranstaltet wurde und ein meiner Meinung nach haltloser Hype entstand, fassen es einige Blogger bereits schlicht zusammen: Alles-nicht-so-schlimm. Facebook ändert nichts an den Datenschutzeinstellungen und eigentlich könnten die Nutzer glücklich sein, ihre Daten etwas übersichtlicher aufbereitet zu bekommen und gegebenenfalls zu löschen. Zufrieden sind sie aber nicht. Professionelle Datenschützer schreien auf und kommen damit in alle Medien. Am Ende bleibt es jedoch das gleiche Spiel wie immer: Änderungen an Gewohnheiten mag der Mensch nicht, deshalb wird er sich darüber beschweren. Jeder Internetnutzer, der bereits einmal das Design seiner Webseite grundlegend überarbeitet hat, wird das kennen. Zwei Wochen nach Einführung der Timeline hat sich die Aufregung gelegt und Millionen Nutzer laden fröhlich Bilder ihrer Kinder, Katzen und Freunde in das neue Titelbild.

2. Social Media ist ein Trend, der sowieso bald verschwindet
Falsch

Wie oft haben wir schon gelesen „Facebook wird untergehen“. Ist es bisher passiert? Nein. Erst gestern informierte uns wieder ein CDU Abgeordneter in seiner charmanten naiven Art über den bevorstehenden Untergang der Webkultur und machte sich damit zum Twittergespött. Wird Social Media denn nun untergehen? Nö, warum auch. Das ist genauso wie zu behaupten, das Internet sei nur eine Mode. Oft wird das Negativbeispiel StudiVZ erwähnt und die doch so wackelige Nutzerbasis. Das bedeutet aber jedoch nicht, dass andere Dienste nicht langfristig bestehen können. StudiVZ ging geht unter, weil es nicht mehr innovativ und lokal auf ein Land beschränkt war. Facebook ist mittlerweile ein weltumfassender Wirtschaftsfaktor mit regelmäßig innovativen Neuerungen die auf die aktuellen (zum Teil unerkannten) Bedürfnisse der Nutzer eingehen. Solange sich die Struktur des Social-Nets nicht so grundlegend ändert, dass Facebook darauf nicht eingehen kann, wird es weiterhin eine entscheidende Rolle in der Weiterentwicklung des Internets spielen.

3. Ich muss einen Social Web Auftritt haben, aber der Aufwand für mein Unternehmen ist zu groß und der Nutzen zu gering. Meine Branche ist generell für Social Media nicht geeignet.
Falsch/Richtig

Eine ungepflegte Facebookseite oder ein veralteter Blog sind Eingeständnisse, die kein Unternehmen machen sollte. Ist von vornherein klar, dass weder Personal noch Zeit zur Verfügung steht um Social Media Kanäle zu pflegen, dann sollte es lieber ganz gelassen werden. Damit wird zwar ein großer Teil an Marketingmöglichkeiten ausgelassen, das ist aber immer noch besser als eine Leiche im Web herumliegen zu haben. Längerfristig ist ein Auftritt in den Social Media Kanälen jedoch eine sinnvolle Investition. Denn wie unter Punkt 2 beschrieben ist Social Media eben nicht nur ein Trend. Eine ungeeignete Branche gibt es für Social Media nicht direkt. Selbst ein Unternehmen, welches nicht einmal eine eigene Internetseite hat und eine sehr eingegrenzte lokale Zielgruppe besitzt, kann im Grunde von Social Media Marketing profitieren. Ob Maschinenbauunternehmen, Friseur oder Familienrestaurant, die hohe lokalisierbarkeit von Marketingmaßnahmen und die gezielte Ansprache von Anwendern aus der eigenen Zielgruppe, eröffnen Chancen, die herkömmliche Werbung oder Marketing nicht bieten können.

4. Facebook verkauft Daten
Falsch (und es immer wieder zu behaupten, macht es nicht richtig.)

Facebook verkauft seine Nutzerdaten nicht. Es werden Nutzergruppen angelegt, damit diese personalisierte Werbung auf Facebook angezeigt bekommen können. Das bedeutet aber keinesfalls, dass Facebook außerhalb des eigenen Netzwerkes eure Daten an Spam-E-Mail-Firmen oder Staubsaugervertreter verkauft. Vielmehr werden Nutzer mit ähnlichen Interessen oder gleichen aktuellen Profiländerungen in Gruppen gepackt, um sie direkt mit den hauseigenen Facebook-Ads anzusprechen. Es ist also mehr diese eine diffuse Angst und das fehlende Verständnis von Facebook, die zu den meisten ablehnenden Haltungen führen. Oft wird einfach vergessen, dass Facebook ein Unternehmen ist, von Menschen gesteuert und kein Monster. Natürlich muss ein kostenloses Angebot sich finanzieren und Facebook macht dies eben durch seine eigene interne Werbeplattform. Wer die Datenverwertung von Facebook ganz genau nachvollziehen will, schaut einfach mal in diese großartige Erklärung.

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